Die körperliche Verfassung junger Europäer verschlechtert sich kontinuierlich
Die körperliche Verfassung von Kindern und Jugendlichen in Europa im Alter von 6 bis 16 Jahren hat seit 1965 einen deutlichen Rückgang erlebt, wie eine tiefgehende Analyse mit über 400.000 Teilnehmern aus 20 Ländern zeigt. Die Ergebnisse offenbaren einen kontinuierlichen Rückgang mehrerer zentraler Gesundheitsindikatoren, wobei es je nach Geschlecht und Alter Unterschiede gibt.
Die kardiovaskuläre Ausdauer, die für die Herz-Kreislauf-Gesundheit entscheidend ist, stieg zunächst bis in die 1980er Jahre an, bevor sie kontinuierlich zurückging. Dieser Rückgang verlangsamte sich zwar zwischen 2015 und 2023, kehrte sich aber nicht um. Bei Jungen verschlechterte sich die Körperzusammensetzung, die unter anderem den Fettanteil misst, linear und stärker als bei Mädchen. Die Kraft der oberen Körperhälfte, gemessen durch Tests wie Handgriffstärke oder Ballwurf, nahm bereits ab den 1970er Jahren ab, stabilisierte sich vorübergehend zwischen den 1980er und 2000er Jahren, bevor der Rückgang wieder einsetzte. Im Gegensatz dazu hatte die Beinkraft bis in die 1980er Jahre zugenommen, bevor sie bis 2023 kontinuierlich zurückging.
Die Beweglichkeit, oft durch den Sit-and-Reach-Test gemessen, verzeichnete ebenfalls einen stetigen Rückgang, wobei sich dieser Abwärtstrend nach den 2000er Jahren beschleunigte. Dieser Faktor, der zwar weniger untersucht wird als andere, bleibt ein wichtiger Indikator für Mobilität und die Gesundheit des Bewegungsapparats.
Diese Trends zeigen sich in einem Kontext, in dem weniger als ein Viertel der jungen Europäer die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur körperlichen Aktivität einhält, nämlich 60 Minuten moderate bis intensive Bewegung pro Tag, einschließlich Krafttrainings mindestens dreimal pro Woche. Noch besorgniserregender ist, dass nur 19 % der Jugendlichen in Europa dreimal pro Woche Krafttraining betreiben, im Vergleich zu 38 % weltweit. Dabei ist eine gute körperliche Verfassung in Kindheit und Jugend mit einem verringerten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Adipositas im Erwachsenenalter verbunden.
Die kardiovaskuläre Ausdauer spielt eine zentrale Schutzfunktion für das Herz. Zu niedrige Werte erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im späteren Leben. Ebenso sind eine gesunde Körperzusammensetzung und eine gut entwickelte Muskelkraft mit einem besseren Stoffwechselprofil und einer Verringerung der vorzeitigen Sterblichkeit verbunden. Die Beweglichkeit hingegen, obwohl sie in die Bewertung der körperlichen Verfassung einbezogen wird, scheint weniger direkt mit diesen Risiken assoziiert zu sein.
Die Ursachen für diesen Rückgang sind vielfältig. Die Zunahme von Bewegungsmangel, die Verringerung der täglichen körperlichen Aktivitäten – insbesondere aufgrund gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen – sowie die Folgen der COVID-19-Pandemie haben dazu beigetragen, diese Situation zu verschärfen. Lockdowns und Einschränkungen haben die Bewegungsmöglichkeiten für viele junge Menschen weiter verringert und einen bereits besorgniserregenden Trend verstärkt.
Um diese Entwicklung umzukehren, betonen Experten die Notwendigkeit, die zur Bewertung der körperlichen Verfassung in Europa verwendeten Tests zu standardisieren. Derzeit erschwert die Vielfalt der Methoden den Vergleich von Daten zwischen Ländern und Zeiträumen. Eine Harmonisierung würde es ermöglichen, die Entwicklung besser zu verfolgen und die öffentlichen Maßnahmen anzupassen. Gleichzeitig müssen Institutionen die Förderung der WHO-Empfehlungen verstärken, wobei besonders auf Krafttrainingsaktivitäten hingewiesen werden sollte, die oft zugunsten von Ausdauersport vernachlässigt werden.
Diese Studie unterstreicht die Dringlichkeit, zum Schutz der Gesundheit zukünftiger Generationen zu handeln. Ohne Eingreifen könnte der Rückgang der körperlichen Verfassung langfristige Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit haben, mit steigenden sozialen und medizinischen Kosten durch chronische Krankheiten.
Informations et sources
Référence scientifique
DOI : https://doi.org/10.1186/s40798-026-01032-x
Titre : Temporal Trends in Health-Related Components of Physical Fitness of European Children and Adolescents from 1965 to 2025: A Systematic Review of Data on 417,362 Participants from 20 Countries
Revue : Sports Medicine – Open
Éditeur : Springer Science and Business Media LLC
Auteurs : Daniel Domingo-del-Val; Gabriel Lozano-Berges; Ana Moradell; Alejandro Gómez-Bruton; Ángel Matute-Llorente; José Antonio Casajús